Gabriel – Ich bin Generation Trump

Ich gehöre zur Generation Trump. Nicht etwa, weil ich ein Fan des durchgeknallten US-Milliardärs und Möchtegern-Präsidenten bin. Ganz im Gegenteil. Ich verachte den Mann und mache mir ernsthaft Sorgen um unsere von seinem Twitter-Account regierte Welt.

Nein. Generation Trump kann man sein, egal ob man für oder gegen ihn ist. Denn Generation Trump meint drei Grundzüge einer neuartigen gesellschaftlichen Haltung, die eng mit Trumps märchenhaften (oder alptraumhaften) Aufstieg verbunden sind.

Erstens gehört dazu eine generelle Skepsis den Medien gegenüber. Ein Verdacht, dass wir von Fake-News und falschen Fakten umgeben sind. Früher war Wahrheit, was in der Zeitung steht oder in der Tagesschau läuft. Heute nicht mehr. Jeder kann alles schreiben und auf Medien Einfluss nehmen. Die Generation Trump macht sich deshalb ihre eigene Wahrheit. Manchmal zurecht, wie ich finde.

Zweitens passt dazu die Reaktion, sich nur noch auf eine enge Gemeinschaft von Freunden, Vertrauten und (wenn vorhanden) der Familie zu verlassen. Die Generation Trump denkt in fremd und nicht fremd, freundlich und feindlich. Auch Nationalität oder ethnische Herkunft spielen da wieder eine Rolle, und sei es nur ein beschützende. Die Generation Trump sucht durch Abgrenzung wieder Halt und Heim. Ist das schlecht?

Und drittens, und das ist das verblüffendste, ist die Generation Trump dabei kein bisschen spießig. Sie ist eben nicht reaktionär und angepasst, sondern ganz genau ihr Gegenteil. Die Trumper haben Lust auf Provokation (gegen angepasste politische Korrektheit zum Beispiel) und verstehen sich als Revoluzzer. Nur so ist zu erklären, dass ausgerechnet eine schillernde transsexuelle Figur wie Milo Yiannopoulos dazu gehört, oder Trumps Zoten und Tabubrüche nicht nur verziehen, sondern sogar beklatscht werden.

Wir von der Generation Trump fühlen uns als echte Avantgarde, ein Feind eines langweilig und unglaubwürdig gewordenen Establishments. Die neuen 68er sozusagen 😉