Tamara – Netz geht nicht ohne Eitelkeit

Seien wir doch mal ganz ehrlich. Was suchen wir im Netz? Freunde? Liebe? Wissen? Sicher. Doch vor allem suchen wir uns selbst. Spuren von uns, Reaktionen auf uns, Anerkennung für uns. Das Netz ist eitel – weil wir es sind.

Jeder kennt die großartige Szene in „Wall Street“, in der Michael Douglas über die Kraft der Gier monologisiert. Nun, die Eitelkeit ist noch wichtiger. Menschen sehnen sich nach Lob, Wertschätzung und Anerkennung. Viele Facebook- und Twitter-Accounts dienen eigentlich nur dazu, dem Besitzer ein gutes Selbstbild zu geben. Es sind Spiegel der Eitelkeit.

Das ist nicht schlimm, denn dieser Umstand sorgt für eine Aktivierung des Menschen und den Drang zur Interaktion. Die besten Methoden zur Schaffung einer Community im Netz beruhen auf dieser Einsicht.

Wir wollen Wahrnehmung. Jeder Sender sehnt sich nach Publikum, egal ob Mensch oder Medium.

Wir wollen Exklusivität. Gerade in der Milliarden von Menschen offen stehenden Internet-Community suchen wir nach Dingen und Erlebnissen, die nicht jeder bekommt. Exklusive Informationen, Preise, Einladungen, Begegnungen mit wichtigen Menschen, oder einen Platz bei einem TweetUp.

Wir wollen Verewigung. Wir schreiben Blogs und uploaden Content auf unsere Kanäle. Wir lassen uns fotografieren und vielleicht sogar interviewen, und sichern uns damit im Netz einen auf Dauer findbaren Ort. Der erste, der digitale Denkmäler auf unzerstörbaren Servern verkauft, wird der reichste Mensch auf der Erde werden.

Alles ist eitel. Wir auch. Und das ist gut so. Es ist eine Schwäche, die uns zusammenschweißt.