Sven – Werdet endlich erwachsen!

Ich sitze im Flieger nach Köln und vor mir hadert ein bärtiger Hipster mit unendlich vielen Problemchen. Er beschwert sich erst lauthals über das lange Warten am Flugfeld und dann über den fehlenden kostenlosen Bordservice (dann hätte er keinen Billigflieger buchen sollen). Schließlich sucht er sich eine Reihe unbelegter Plätze und packt seine Füße auf einen Klapptisch, zumindest so lange bis ihn der Steward darauf hinweist, dass darauf andere Leute essen.

Wann werden solche Typen endlich erwachsen? Tatsächlich treffe ich immer häufiger Menschen mit diesem Problem. Aber was heißt eigentlich ‚erwachsen‘?

Erwachsen sind wir, wenn wir aufgehört haben, um uns selbst zu kreisen und uns um andere Menschen kümmern. Erwachsen sind wir, wenn wir einen Schlußstrich unter unsere persönliche Entwicklung setzen und akzeptieren, wie und was wir sind. Erwachsen sind wir, wenn wir eine Aufgabe und Rolle im Leben gefunden haben, und nicht mehr Ich, sondern Vater, Lehrer, Messias, Masseuse oder Bundeskanzlerin sind.

Ich stelle bei mir selber fest, dass ich davon noch eine Strecke entfernt bin. Als Dauerkind schnappt man schnell ein, wenn Andere das eigene Tun und Machen nicht toll finden. Kritikunfähig und ohne Streßresistenz maulen wir uns durch unseren sozialen Alltag.

Woher das kommt? Weil wir die Aufmerksamkeit suchen, die wir als Kind nicht hatten. Vermutlich auch, weil schon unsere Eltern Berufsjugendliche waren und uns vorführten, dass das Wichtigste im Leben man selbst ist. Spielzeug ohne Ende, aber wenig Erziehung und schon gar keine Selbstbestätigung, für die man mehr tun muss, als den Alltag unserer Eltern nicht zu behindern.

Und wir hören täglich und überall, dass wir einzigartig, unabhängig und flexibel sein müssen, um im Leben zu bestehen. Doch genau das macht uns unsicher und abhängig vom Applaus der Anderen – kindlich eben.