Manou – Freiheit macht verletztlich

Du tauchst gerne mal ab. Du machst Dein Ding und schaffst Dir Deine eigene Welt. Du hast Deine Projekte und hältst Dich unabhängig von Anderen, um Dein Leben so zu leben, wie Du willst. Doch eine merkwürdige Sache sorgt dafür, dass diese Haltung Dich verwundbar macht.

Umso mehr wir über unser Befinden nachdenken und die persönliche Zufriedenheit ins Zentrum unseres Lebens rücken, desto hilfsbedürftiger werden wir.

Wir entwickeln dabei nämlich systematisch Schwächen, etwa Überforderung, Depression und Krankheiten, denn wir setzen uns unter Erfolgsdruck in Sachen Glück. Erst der totale Fokus auf unser „Funktionieren“ entblößt unsere Fehlfunktionen. Diese schwächen uns aber. Und sie sorgen für akuten Bedarf an Stütze, Mitmenschlichkeit und Pflege durch Andere. Andere, mit denen wir aber, dank unserer zunehmenden Isolierung von der Gruppe, nicht mehr harmonieren. Auf diese Weise führt die Suche nach Autonomie und Selbständigkeit genau zu ihrem Gegenteil: Abhängigkeit. Das ist das eigentliche Paradoxon des Individualismus.