Paul – Das Netz macht uns moralischer

Die Klage ist so alt wie das Internet selbst: Der grassierende Datenmüll, die banalen Sozialen Medien, das Schnelllebige und Oberflächliche des lauten Netzes sorgen für eine gefährliche Scheinwelt, in der alles fake, und nichts mehr war und authentisch ist. Irgendwie stimmt das. Doch irgendwie auch wieder nicht.

Das Netz wird uns alle langfristig moralischer und glaubwürdiger als bisher machen. Warum?

Weil Du im Schutze Deiner ganzen Accounts, Social-Media-Kanäle, Webseiten, Blogs und Avatare Farbe bekennst, Mut zur Interaktion sammelst, und Dich selbst outest. Weil alles was Du im Netz tust, von Anderen überprüfbar und kommentierbar wird. Sind Menschen früher mit Lügen davongekommen, indem sie einfach in eine andere Stadt zogen, ist das globale Dorf heute Deine ewige Heimat. Weil die zunehmende Interaktion mit uns persönlich unbekannten Menschen die Entwicklung von fairen Umgangsformen voraussetzt. Wer andere Menschen braucht, und sei es nur zum Computerspielen, der passt sich ganz automatisch einer gängigen Moral an.

Gerade in Zeiten von Fake-News, Hass-Tweets und Facebook-Mobbing ist es wichtig, die moralisierende Qualität des Internets nicht zu unterschätzen. Moral regelte immer schon das Zusammenleben und den Austausch unter ganz unterschiedlichen Menschen. Und davon haben wir heute mehr als in früheren Jahrunderten. Das Smartphone macht Dich vielleicht zu einem besseren Menschen.